Martins Besuch der BIO Gerstengras Farm in Neuseeland

Von Mitte Februar bis Mitte März 2017 habe ich mir eine Neuseelandreise gegönnt. In erster Linie war die Reise privat, aber neben Backpackerhostels, Intercitybussen, Traumstränden und Nationalparks stand auch ein Besuch bei unserem Partner, einer Gerstengras Farm auf dem Programm. Von diesem Produzenten bezieht mein Arbeitgeber der Nahrungsergänzungsmitellhändler „Tausendkraut“ das von Kunden wegen seiner herausragenden Qualität sehr geschätzte Weizen- und Gerstengrasspulver. Die Gelegenheit mich dort umzusehen sowie mit den Menschen zu sprechen konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Von diesem Besuch möchte ich euch nun gerne berichten.

Gerstengras Farmer in Neuseeland

Am Ende meines Aufenthaltes in Akaroa, einer traumhaft schönen vulkanischen Halbinsel an der Ostküste der Südinsel holt mich Peter, der Geschäftsführer der Gerstengrasfarm, am „Hilltop“ ab. Das stilvolle Restaurant bietet eine wunderschöne Aussicht auf die malerische Bucht von Akaroa, die ich eine Stunde lang wartend genossen habe. Wir fahren Richtung Christchurch. Peter ist mir gleich sympathisch. Er hat einen festen Händedruck und eine freundliche Art. Geboren ist er in der Gegend, hat aber schottische Wurzeln. Ich schätze er ist etwa 60 Jahre alt. Die Umgebung ist schon seit Europäer dort leben „farmland“, erzählt er mir. Auf den Hügeln sowie auf dem flachen Land grasen Schafe und Kühe, es werden Zwiebeln, Kartoffeln und etwas anderes Gemüse angebaut. Die Farm für Gerstengras gehört einem Freund von ihm, den er kennt seit er 20 ist, er angelte und wanderte früher mit ihm zusammen in den Bergen.

Auf dem Weg zu den Feldern, die Peter mir zeigen möchte, erreichen wir die Kleinstadt Lincoln, deren Universität für ihren Schwerpunkt auf Agrarwissenschaften berühmt ist, und an der Peter eben jenes Fach studiert hat. Während wir eine kleine Runde über den Campus drehen schwelgt Peter in Erinnerungen an seine Studienzeit. Es geht weiter Richtung Leeston, eine stark landwirtschaftlich geprägte Region deren dunklen, schweren und nährstoffreichen Böden optimale Bedingungen für den Getreideanbau bieten.

Gerstengras Feld in Neuseeland

Seit nunmehr 15 Jahren produziert man hier nun Gersten- und Weizengrasspulver. Auf einem kleinen Teil der knapp 200 ha umfassenden Betriebsfläche wird noch etwas Vieh gehalten und Gemüse angebaut, der Rest ist mit Gersten- und Weizengrass belegt. Um Nachschub muss sich dank fester Lieferverträge niemand Sorgen machen.

Getrocknetes Gerstengras wird abgefüllt

Wir kommen auf den Feldern an und steigen aus dem Auto. Auf den ersten Blick könnte der ungeübte Beobachter glauben, er befände sich auf einer großen gewöhnlichen Rasenfläche – Grass soweit das Auge reicht. Und irgendwie stimmt das ja auch. Auf der einen Seite des Feldes haben sich nach dem ersten Schnitt zu früh Ähren gebildet, was das Gerstengrass zur Weiterverarbeitung untauglich macht. Daher wird es in Kürze erneut gemäht werden. Peter holt einen Büschel mit Wurzel und Erde daran aus dem Boden und lobt seine Qualität. Man erkennt diese an der Konsistenz des Erdklumpens an der Wurzel. Auf den ersten Blick erscheint er zwar fest, aber es lassen sich ganz leicht kleine Brocken abbrechen. Das heißt der Boden ist locker, gut durchwurzelt und durchlüftet, sodass das Bodenklima eine optimale Nährstoffaufnahme gewährleistet und dadurch für gesunde Pflanzen und gute Erträge sorgt. Jeder Hektar liefert einen Ertrag zwischen 300 und 1000 kg Pulver, berichtet mir Peter.

Boden von Gerstengras Feld in Neuseeland

Ein weißer Jeep rauscht heran. Peter schafft es gerade noch mich auf den ausgezeichneten Zustand des Gerstengrases auf der anderen Seite des Feldes hinzuweisen, da keine Ähren ausgebildet hat und somit bald erntereif ist, da werden wir von King und Claude überfallen. Die beiden Hunde sind hinter dem Jeep her gerannt und begrüßen uns schwanzwedelnd. Sie arbeiten im Team und treiben das Vieh wie John und Bernie, die aus dem mittlerweile zum Stehen gekommenen Auto zu uns herüber gestapft sind, berichten. John erzählt mir auch von den effektiven Mikroorganismen, mit denen der Boden geimpft wird, um dessen Gesundheit zu erhalten, oder sogar zu verbessern und optimale Nährstoffverfügbarkeit zu gewährleisten. Danach demonstriert mir Bernie den Erntevorgang und fährt ein paar Meter mit dem auf dem Feld geparkten Mähdrescher. Ich bin beeindruckt vom Know-How der Jungs.

Boden Neuseeland auf dem Gerstengras wächst

Ich steige wieder zu Peter ins Auto und wir fahren weiter zur Trocknungsanlage. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem ja man könnte fast sagen Garten jedoch einem sehr großen mit einigen hohen Bäumen, einem Bach, der sich durch das umzäunte Areal schlängelt und einigen Obstbäumen. Während wir durch diesen Garten schlendern erzählt mir Peter, dass er hin und wieder mit Tim, dem Besitzer der Farm, sowie einigen Freunden hier entspannt, isst und trinkt. Wir pflücken uns von einer Gruppe kleiner Apfelbäumchen jeder eine Frucht, die so gar nicht einheitlich nach Supermarkt aussieht und angenehm fruchtig-süß schmeckt.

Trocknungsanlage Gerstengras

Die Trocknungsanlage steht gerade mal seit drei Monaten und liegt in der Mitte der Felder, sodass nun im Gegensatz zu vorher 60 km nur noch maximal 1 km mit der Ernte zur Anlage zurückgelegt werden muss. Das garantiert Frische, Qualität und schont die Inhaltsstoffe! Das Weizen- bzw. Gerstengrass wird in der Anlage in mehreren Schritten von 80% auf 5% Feuchtigkeit herunter getrocknet. Die Luft aus den Abluftventilatoren erinnert dementsprechend an einen Aufguß in der Sauna. Auch wenn die Temperaturen in der Anlage bis zu 100 Grad Celsius betragen, erreicht das Grass diese Temperatur nicht, da es durch die austretende Flüssigkeit ähnlich dem Vorgang des menschlichen Schwitzens gekühlt wird. In der dem „Trocknungsweg“ angeschlossenen Halle ist fotografieren verboten, das Aufsetzen einer Schutzhaube ist Pflicht. Wie genau das getrocknete Grass zu Pulver verarbeitet wird ist ein wohl gehütetes Betriebsgeheimnis. Es ist sehr warm und es riecht intensiv nach Gerstengrass. Ich sehe mehrere riesige Sack-ähnliche Behälter bis oben hin gefüllt mit dem Pulver. Zwei deutsche Backpacker füllen hier mit weißem Kittel und Schutzhaube bekleidet ihre Reisekasse auf. Sie erzählen mir durch ihren Mundschutz, dass die Arbeit sehr interessant ist und sie viel dazu lernen.

Anlieferung Gerstengras zur Trocknung

Dann bekomme ich einen Teelöffel ganz frisch getrocknetes und zu Pulver verarbeitetes Gerstengrass pur zum Probieren. Für jemanden, der es noch nie gekostet hat, ist das wahrscheinlich gewöhnungsbedürftig, mir schmeckt das Ergebnis hingegen köstlich. Es ist frisch-würzig und zeichnet sich durch ein sehr dezentes, feines Röstaroma aus. Wir verlassen die Halle und begeben uns auf das direkt angrenzende Feld. Dort zeigt mir Peter, dass im Bio-Anbau lediglich 20 cm tief gepflügt wird um die fruchtbare, nährstoff- und humusreiche obere Bodenschicht zu erhalten. Ob ich die moderne Kopfbedeckung, die Schutzhaube aus der Halle, behalten könne, frage ich scherzend, Peter lacht.

Trocknungsstrasse für Gerstengras

Es geht weiter nach Christchurch ins Zentrum wo mir Peter ein Stück ursprünglichen neuseeländischen Wald zeigen möchte, der verrückterweise mitten in der Stadt liegt. Christchurch wurde bei einem Erdbeben 2011 stark beschädigt und vieles der an für neuseeländische Verhältnisse alten Bausubstanz ging verloren. An zahllosen Baustellen vorbei erreichen wir den kleinen Urwald. Rundherum eingezäunt liegt er an einem kleinen Park, der zu dem Anwesen einer alteingesessenen Familie aus England gehört. Arm eingewandert und in Neuseeland zu Geld gekommen, erfüllte sie mit der Zeit das Bedürfnis ein Stück ursprüngliches Neuseeland zu erhalten. Das Ergebnis ist das Areal auf dem der Urwald steht, erzählt mir Peter, während wir durch eine Sicherheitsschleuse das Waldstück betreten. Unbekannte Vogellaute empfangen uns und es kommt mir vor als beträte ich einen tiefen Dschungel in einem fernen Land. Das ist ja auch so, weiter weg von Deutschland zu sein als in Neuseeland geht nicht. Die Vegetation ähnelt auf den ersten Blick der in Europa, bei genauerem Hinsehen jedoch wird klar, dass wir eben nicht Europa sind. Fast alle Bäume und andere Pflanzen ähneln lediglich der europäischen Fauna. Riesenfarne und Palmen aber sucht man in unseren Wäldern vergeblich. Ich fühle mich großartig.

Frisch geerntetes Gerstengras

Nach einer halben Stunde verlassen wir das Waldstück und fahren zum nahe gelegenen Flughafen. Dort befindet sich die Zentrale und das Lager der Gerstengras Farm. Auf diese Weise ist ein unkomplizierter Vertrieb der etwa 120 Tonnen Weizen- und Gerstengrasspulver pro Jahr an die weltweite Kundschaft gewährleistet. Zuerst gehen wir durch die Büros, ich begrüße artig jeden der mir begegnet und lerne zwei Söhne von Peter kennen, die beide in der Firma arbeiten. Zum Schluß gehen wir durch das Lager, in dem ich die großen Sack-ähnlichen Behälter aus der Trocknungsanlage wieder sehe. Hohe Decken und Regale voll mit großen Kartons – ein Lager eben.

Eine große Kiste voll frisch getrocknetem Gerstengraspulver

Das wars. Mein Neuseelandurlaub ist nach vier Wochen vorbei. Ich werde zum nahen Flughafen gefahren, bedanke mich für die Zeit, und steige aus dem Wagen. Voll von Eindrücken starre ich im Flughafen sitzend durch eine riesige Fensterfront auf das vom Sonnenuntergang in gleißendes Licht getauchte Rollfeld und warte auf meinen Rückflug.

Euer Martin

Mehr erfahren könnt Ihr im Interview mit mir und Joshua auf Querdenken.tv:

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